Minimalismus?!

Schon seit Wochen will ich hier etwas über Minimalismus schreiben, aber irgendwie passen meine Ideen und meine Zeit (oder auch mein gesundheitlicher Zustand) nicht zueinander. Und jetzt dachte ich mir: Fängste halt mal an!

Heute also zur Einführung die Frage: Was ist eigentlich Minimalismus (für mich)?

Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Minimalismus, also mit der Frage „Wie viel muss ich wirklich besitzen/in meinem Leben haben um ein schönes und zufriedenes Leben führen zu können?“, beziehungsweise „Welche Dinge sind mir dabei im Weg, frei leben zu können?“.

Dabei habe ich manchmal richtige „Ausräumphasen“ und manchmal beschäftigt mich das Thema monatelang überhaupt nicht. Ich bin bei weitem kein Profi auf dem Gebiet und will es auch überhaupt nicht sein. Mein Ziel ist es nicht, Listen erstellen zu können mit den „einzigen 100 Gegenständen, die ich besitze“ oder Bilder von unserem vollkommen kahlen Wohnzimmer zu posten, weil es so genial ist, endlich kein Sofa mehr zu haben (mal ehrlich, wer glaubt sowas wirklich?!?!?!?).

Ausräumen darf für mich nie auf Kosten der Lebensqualität, sondern muss immer zugunsten der Lebensqualität geschehen. Das Ergebnis ist eine relativ gut aufgeräumte Umgebung, in der sich auch andere Menschen wohlfühlen, weil man bei uns nicht von allem möglichen „Kram“ erschlagen wird.

Man könnte uns (ich bin da ja nicht alleine unterwegs, sondern mit meiner genialen Frau) vielleicht mit Joshua Beckers Worten „rational Minimalists“ nennen. Minimalismus ist für uns der Weg zu einem Ziel, nicht das Ziel an sich.

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich (hoffentlich) noch mehr darüber schreiben, wie das für mich, bzw. uns aussieht.

Because it’s awesome! – April 2017

Der April war irgendwie wieder schneller rum, als gedacht. Aber auch hier gab es wieder so einiges, was mir gefallen hat. Vielleicht gefallen sie euch ja auch? 😉


A Gathering of Shadows von Victoria E. Schwab

Teil 2 der Trilogie, aus der ich Teil 1 im März schon angepriesen hatte. Dieses Mal kennt man die Charaktere schon, allerdings braucht die Handlung eine ganze Weile bis sie wirklich in Fahrt kommt (sie ist sehr schön, aber halt nicht so spannend wie Teil 1). Das liegt vor allem daran, dass Teil 2 eine wunderbar fantasievolle Geschichte ist, deren spannendste Elemente allerdings auf Teil 3 hinweisen (Cliffhanger!!!).
Für einen mittleren Band einer Trilogie ist das Buch sehr gelungen, aber ich war doch sehr froh, dass Teil 3 schon raus ist.
Spoiler alert! So wie der angefangen hat, wird er im Mai-Beitrag sicher auftauchen 😉


Doctor Strange (2016)

Ich mag die meisten Marvel-Filme und dieser ist keine Ausnahme. Gewaltige Bilder (teilweise eindeutig von Inception abgeschaut), lustige Charaktere und ein bisschen Spannung. Außerdem ist Benedict Cumberbatch einfach ein toller Schauspieler. Ich kann es kaum erwarten, ihn wieder im Kostüm von Mr. Doctor Strange zu sehen!


The Battle of Polytopia (iOS, Android)

Ein kleines rundenbasiertes Strategiespiel für  iOS undAndroid. Jede neue Runde in der zufällig generierten Welt macht wieder Spaß. Was erforsche ich als erstes? Wo befinden sich die Gegner? Schaffe ich, alle Ziele zu erreichen?
Ich bin tatsächlich am Überlegen, mir die zusätzlichen Stämme noch zu kaufen. Das eigentliche Spiel ist nämlich kostenlos!


Dieses Gedicht von B.E. Fitzgerald

Ein Auszug:

But I hope, I pray, that one day you will realize how blessed
you are to be alive in a moment where you can google search
how to say I love you in 164 different languages.


Dieser Tweet von @hoeptoep


Dieser Tweet von @IJMDE

Ich bin einfach begeistert von der Arbeit, die IJM weltweit macht und so dankbar für diese Organisation Botschafter sein zu dürfen!


Trailer für „Thor: Ragnarok“

Zum Abschluss noch einmal Marvel. Mein Gesichtsausdruck war gar nicht sooo anders, als ich den Trailer gesehen habe. 😀

30 Day Declutter, oder: Endlich mal wieder aufräumen!

So ungefähr einmal im Jahr versuchen Bine und ich unser Hab und Gut auszumisten. Angefangen hat es, dass uns bei unseren vielen Umzügen aufgefallen ist, dass wir eine Menge der Dinge nicht brauchen, die wir besitzen. Und bevor wir sie wieder ein paar Stockwerke hoch oder runter schleppen müssen, haben wir sie lieber aussortiert.
Irgendwann bin ich dann in den Weiten des Internets über eine „30 day challenge“ (30 Tage Herausforderung) gestolpert, die einen herausfordert, seine Wohnung aus-, bzw. aufzuräumen. Das Schöne daran war, dass es nicht um riesige Brocken ging, die einen Stundenlang aufhalten, sondern die Aktion in viele kleinere Teile aufgesplittet ist, die teilweise nur 5-10 Minuten brauchen. Also haben wir das direkt mal ausprobiert und fanden es so gut, dass wir es seitdem jedes Jahr versuchen.

Da ich hin und wieder danach gefragt wurde, dachte ich, dass ich sie hier einfach einmal wiedergebe. Wir haben sie uns als Evernote-Notiz angelegt, sodass wir schön abhaken können, was wir schon geschafft haben, aber das könnt ihr ja so machen, wie es für euch selbst passt. Irgendwann sind mir in den Überarbeitungen auch zwei Tage abhanden gekommen. Wahrscheinlich waren es Dinge, die uns überhaupt nicht betreffen, oder die „Challenge“ hatte von Anfang an nur 28 Tage, wer weiß. Der Rest der Liste ist einfach aus dem Englischen übersetzt, sodass sowohl die Überschriften, wie auch die Anweisungen dazu nicht von mir sind.

Wenn ihr also das Gefühl habt, dass bei euch etwas viel Zeug rumsteht, dann kann die Liste vielleicht helfen, wieder ein bisschen mehr Raum zum Atmen zu schaffen. Viel Spaß dabei!

1. Sortiere deine Kleidungsstücke aus
Wenn du es schon seit einem Jahr nicht mehr getragen hast, sortiere es aus (Es werden immer wieder Kleider für verschiedenste Wohltätige Zwecke gesammelt). Wenn du es nicht magst, sortiere es aus. Brauchst du wirklich so viele T-Shirts?

2. Sortiere deine „Papiere“ aus
Schnapp dir deine Ordner und geh an die Arbeit. Sortiere alles aus, was du nicht mehr brauchst. Wenn du es nur zur Erinnerung aufhebst, kann vielleicht ein schnell gemachtes Foto (oder über eine Scanner-App als PDF abspeichern?) ausreichen um es aufzuheben? Super Ziele: alte Zeitschriften, Anleitungen für Geräte (viele kann man mittlerweile als PDF beim Hersteller herunterladen), Prospekte, die du nie lesen wirst, …

3. Sortiere deinen Kühlschrank aus
Werfe alle abgelaufenen Lebensmittel weg (Achtung! Nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, heißt es noch nicht, dass es kaputt ist!). Achte auch vor allem auf die verschiedenen Gewürzpasten. Hast du sie nach diesem einen exotischen Essen vor zwei Jahren wirklich noch einmal verwendet?

4. Sortiere deine Handtücher und Bettwäsche aus
Alte Handtücher, die nicht zusammenpassen sind klassische Schrankplatzblocker. Sortiere sie mit all den verfärbten oder eingerissenen Bettüchern aus. Dasselbe gilt natürlich für die Dinge, die dir nicht gefallen. So schnell kommt man an freien Raum.

5. Sortiere dein Badezimmer aus
Brauchst du wirklich all diese Hotel-Shampoo-Flaschen? Wirf sie weg (vorher aufbrauchen)! Sortiere all die Produkte aus, die du nie verwendest. Genauso wie Kosmetika, die „abgelaufen“ sind und Pröbchen, die du vor Jahren aus Zeitschriften gesammelt hast. Behalte nur die Dinge, die du für dein tägliches Leben brauchst.

6. Sortiere dein Wohnzimmer aus
Nimm dir den Wohnzimmertisch (nicht das versteckte Fach darunter vergessen!), alle Sideboards, das Sofa (auch zwischen den Polstern nachschauen) und den Boden vor und entferne alle unnötigen Gegenstände.

7. Sortiere deinen Keller aus
Keller sind aus einem guten Grund gruselig, aber deiner muss es nicht sein! Nimm dir zehn Minuten um schnell Dinge zu schnappen, die du garantiert nicht mehr brauchst. Du wirst überrascht sein, wie viel du in dieser kurzen Zeit aussortieren kannst. Je größer die Gegenstände sind, desto besser! Zur Not kannst du immer noch den Sperrmüll bestellen.

8. Sortiere die Oberflächen in deinem Schlafzimmer aus
Nachtkästen, Regale, Fläche auf dem Kleiderschrank. Verkleinere den Stapel alter Zeitschriften, werfe Preisschilder und einzelne Socken, sowie alles andere weg, was hier herumlungert.

9. Sortiere dein Büro aus
Wir haben uns schon um den Papierkram gekümmert, aber jetzt geht es um die anderen Gegenstände. Gehe durch deine Büroklammern und Post-Its und sortiere alles aus, was du nicht benutzt. Leere deine Pinnwand und versuche die Anzahl der Gegenstände auf den Arbeitsflächen zu reduzieren. Vergiss nicht, durch die Schreibtischschubladen zu gehen!

10. Sortiere deine Regale aus
Gehe schnell durch alle Regale in deiner Wohnung durch und sammle alles ein, das du nicht mehr brauchst. Schau auch hinter die Bücher, du wirst überrascht sein, was sich da so versteckt. Und wenn du schon dabei bist, kannst du auch gleich schauen, welche Bücher du gar nicht mehr brauchst (oder nie dazu kommen wirst, sie zu lesen) und sie weitergeben/-verkaufen.

11. Sortiere deine Kleidungsstücke aus
Ja, noch einmal! Durch deinen Kleiderschrank kannst du ruhig noch ein zweites Mal gehen.

12. Sortiere deine Spielsachen, Spiele, Bücher aus
Wenn du Kinder hast, ist dein Auftrag klar. Aber selbst, wenn nicht, dann nimm trotzdem deine „Spiel und Spaß“-Ecken in Angriff. Vielleicht hast du zu viele Skat-Blätter oder deine Hobby-Ecke für Modellbau hat etwas überhand genommen. Was auch immer es ist, nimm dir zehn Minuten um das Chaos zu zähmen.

13. Sortiere deine Schuhe aus
Sprich mir nach: „Ich brauche nicht so viele Schuhe!“ Sortiere beschädigte oder unbequeme Schuhe aus. Und denke darüber nach, ob du wirklich alles doppelt brauchst (und damit ist nicht links und rechts gemeint).

14. Sortiere deine Oberbekleidung aus
Fang mit den Accessoires an: Schals, Handschuhe und Mützen sind die typischen Übeltäter. Behalte deine Lieblinge und sortiere den Rest aus (vor allem die einzelnen Handschuhe ohne ihren Partner). Sortiere Jacken aus, die du nie anziehst, sie brauchen viel zu viel Platz!

15. Sortiere deine „Schränke für alles“ aus
Die meisten von uns haben einen Schrank oder Kisten irgendwo, in denen wir den ganzen Rest sammeln. Es ist Zeit, etwas Platz zu schaffen. Gehe durch jedes Fach und jede Kiste und sortiere so viel wie möglich aus. Ich wette, dass du schon vergessen hattest, was da alles rumlag.

16. Sortiere deine Reinigungsmittel aus
Ist dein Reinigungsschrank/-fach voll mit leeren Flaschen? Jetzt nicht mehr. Wirf die Flaschen mit nur noch ein/zwei Tropfen darin weg und schreibe dir auf, was du nachkaufen musst. Alte Mittel, die du nie verwendest, schmutzige Lappen, klebrige Handschuhe, … wirf sie weg (vorher schauen, was davon nicht in die Mülltonne darf!).

17. Sortiere deine Terrasse/deinen Balkon aus
Terrassen und Balkone bieten uns geniale Eckchen in denen sich ungewollte Gegenstände verstecken können. Mache sie leer! Wirf diese tote Pflanzen, Plastikbehälter, alte Kerzen, Dekorationsmaterial, das vor zwei Jahren schon nicht mehr schön aussah und alles was vom Wetter stark mitgenommen wurde weg. Puh… Und schon sieht es besser aus!

18. Sortiere deine Essecke aus
Nimm alles vom Esstisch herunter, das nichts mit Essen zu tun hat. Wenn du ein Geschirrregal hier hast, kannst du auch mal schnell durchgehen. Wie immer gilt: wirf alles weg, was kaputt ist und was du wirklich nicht schön findest (das könnten vielleicht sogar Freunde haben wollen).

19. Sortiere die Gegend um deinen Fernseher aus
Entferne alle überschüssigen Fernbedienungen, verirrte DVDs (wo sind die Hüllen dazu? Und wer hatte sie mir noch einmal ausgeliehen?), Kabel und Konsolen-Controller, die du nicht mehr brauchst.

20. Sortiere deinen Wäscheraum aus
Leere die Flächen auf der Waschmaschine und dem Trockner, werfe die alten Fusseln endlich weg, genauso wie die einzelnen Socken und die alten Waschmittel-Behälter.

21. Sortiere deine Accessoires (Socken/Schmuck/Uhren/…) aus
Jede Sockenschublade kann einen kleinen Sortierdurchgang vertragen. Wirf einzelne Socken weg. Und weil du schon dabei bist: Sortiere deine Accessoires (Schmuck, Haarbänder/Uhren/…) aus und behalte nur, was du wirklich magst. Wenn du so richtig vom Ehrgeiz gepackt wirst, dann sortiere deine Unterwäscheschublade auch gleich durch.

22. Sortiere unter deinen Waschbecken aus
Wirf alte Reinigungsmittel und allen Kram aus, der nicht hier her gehört.

23. Sortiere deine Hausapotheke aus
Sortiere alle abgelaufenen Medikamente aus (informieren, was du wirklich wegwerfen darfst!).

24. Sortiere deine Outdoor-Ausrüstung aus
Wanderstiefel, Schlitten, Strand-Schirme, Schnorchel, … was auch immer du draußen benutzt, bzw. gerne benutzen würdest. Denke noch einmal darüber nach, ob du sie WIRKLICH verwendest. Diese Ausrüstung verbraucht wertvollen Stauraum!

25. Sortiere deinen Flur aus
Der erste Eindruck, den Besucher von deiner Wohnung bekommen sollte sauber und gelassen sein. Sortiere alles aus, was hier herum hängt und nicht hier sein muss.

26. Sortiere deine Vorratskammer/-schublade aus
Sortiere alle abgelaufenen Lebensmittel aus (Achtung! Nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, heißt es noch nicht, dass es kaputt ist!). Verschenke die Dinge, die noch gut sind, die du aber nie verwenden wirst.

27. Sortiere deine Küche aus
Entferne alle Gegenstände, die du nicht so oft verwendest. Überlege dir genau, ob du wirklich von so vielen Dingen zwei Ausgaben brauchst. Räume die Arbeitsfläche, bis auf die Gegenstände frei, die du täglich brauchst.

28. Sortiere deine Schubladen aus
Öffne alle Schubladen in deiner Wohnung und nimm aus jeder Schublade ein paar Gegenstände heraus. Schnell, wirkungsvoll und hilfreich.

Geschafft! Wenn es dir nicht reicht, kannst du ja von oben noch einmal anfangen, oder dir diesen Artikel der Krautreporter lesen und mal schauen, was dir davon direkt ins Auge fällt. Jedes kleine bisschen „Zeug“, dass du aussortierst, kann dein Leben leichter machen.

Love does

In den letzten Tagen habe ich „Love does“ von Bob Goff gelesen und bin mehr als nur begeistert.
Christian hatte es mir schon vor längerer Zeit empfohlen und seitdem lag es bei mir rum und wartete darauf gelesen zu werden.
Jetzt, nachdem ich endlich dazu kam kann ich sagen, dass es eines der besten und inspirierendsten Bücher war, die ich je gelesen habe.

Bob Goff schreibt vor jedes Kapitel ein kleines Zitat nach dem Motto „Früher … aber heute …“.
Zum Weiterdenken, Provozieren und als kleinen Teaser habe ich die meiner Meinung nach besten dieser Zitate rausgepickt:

I used to be afraid of failing at something that really mattered to me, but now I’m more afraid of succeeding at things that don’t matter.

 

I used to think the words spoken about us describe who we are, but now I know they shape who we are.

 

I used to think religion tasted horrible, but now I know I was eating the fake stuff.

 

I used to think I had missed the mark and God was mad about it, but now I know „missing the mark“ is a stupid analogy.

 

I use to think life could be shared with anyone, but now I know choosing the right people is pretty important.

 

I used to think knowing God was like going on a business trip with Him, but now I know He’s inviting me on an adventure instead.

 

I used to think God wouldn’t talk to me, but now I know I’m just selective with what I choose to hear.

 

I used to be afraid that if I was authentic I might take a hit, but now I know that being real means I will take a hit.

 

I used to think I should talk about everything, but now I know it’s better to keep some things a secret.

 

I used to think I could learn about Jesus by studying Him, but now I know Jesus doesn’t want stalkers.

 

I used to think that taking a risk would reduce the number of friends I have, but now I know that love draws more people in.

Authentizität!?

Authentizität ist ein Wort, das man in den letzten Jahren immer öfter hört. „Wenn du Millenials erreichen willst, musst du authentisch sein.“ – „In deinem Beruf erwartet man einfach von dir, dass du authentisch bist.“

Stars versuchen das, indem sie auch aus ihrem Privatleben Twittern und Instagrammen (ist das überhaupt ein Wort?). Pastoren versuchen das, indem sie Geschichten aus ihrem Leben in die Predigten einbauen.

Aber, bleibt es dabei nicht trotzdem häufig bei etwas Künstlichem? Wer postet schon ein Foto bei Instagram, wenn irgendwie der ganze Tag schlecht läuft und man deprimiert vor dem Fernseher auf dem Sofa liegt? Wer schreibt ein Facebook-Update, wenn man sich gerade mit seinem Partner gezofft hat?
Und selbst wenn, auch mit einer Schwäche lässt sich ja super kokettieren und sie damit in eine Stärke, bzw. ein Machtinstrument umwandeln („Schaut mal, was ich alles aufgebe, dann müsst ihr das doch auch…“ – „Da seht ihr, wie schlimm es mir geht, habt mich jetzt bitte alle lieb, weil es keinem von euch auch nur halb so schlecht geht.“).

Auf diese Weise wird die Authentizität zu einer neuen Fassade, die ich aufstelle. Ich lasse Menschen hinter die vorderste Fassade schauen und hoffe, dass sie nicht merken, dass sie sich jetzt wieder nur einen großen Karton anschauen, der an ein Holzgerüst genagelt ist.

In diesem ganzen Authentizitäts-Dschungel treffe ich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder auf die Fragen:
Wer bin ich eigentlich wirklich? Und wen glaube ich den anderen vorspielen zu müssen?

Wie die meisten Menschen will ich von denen, die mich umgeben geliebt werden.
Um das zu erreichen schlägt jeder von uns einen anderen Weg ein. Manche passen sich um jeden Preis an. Andere helfen, bis sie nicht mehr können. Der eine ist 24/7 per Telefon oder WhatsApp für Freunde erreichbar und die andere bringt sich so sehr ein, dass in ihrer Firma alles zusammenklappt, wenn sie mal ein paar Tage krank ist.

Bei Christen geht das dann oft so weit, dass sie auch denken, dass sie genau das auch mit Gott machen müssen (denn, seinen wir mal ehrlich, das mit der bedingungslosen Liebe kann nur für die anderen gelten, nicht für solche Vollpfosten wie uns).

Je mehr ich zu diesen Fragen lese, höre, rede und anschaue, desto mehr drängt sich mir der Gedanke auf: Unsere Gegenüber wollen das doch überhaupt nicht von uns. – Ich will das auch gar nicht von meinen Gegenübern.

Wenn ich sehe, dass ein anderer Mensch auch Schwächen hat, dann wirkt er für mich doch sympathischer. Wenn jemand bereit ist, mich um Vergebung zu bitten, wenn er etwas verbockt hat, anstatt seine Fassade immer größer, pompöser und unangreifbarer auszubauen, dann zieht mich das eher zu dieser Person hin, als dass es mich abstößt.

Warum denken wir also ständig, dass wir den Menschen um uns herum etwas vorspielen müssen? Warum arbeiten wir so kräftig daran, die Fassaden aufrecht zu erhalten? Warum belügen wir unsere Kollegen, unsere Familienangehörigen, unsere Freunde, unsere Partner und vor allen Dingen uns selbst?

Mal abgesehen davon, dass wir Menschen damit verletzen, wenn sie plötzlich Lücken in unseren Fassaden entdecken, ist es doch unglaublich anstrengend so zu tun, als seien wir größer, besser, stärker, klüger, kompetenter, … als wir es wirklich sind.

Wie Paul Young in diesem Interview (knapp 40 gut investierte Minuten) erklärt, ist der Weg aus diesem ganzen Getue allerdings nicht einfach. Er hat 11 Jahre (auch mit intensiver Therapie) dafür gebraucht.
Für Donald Miller war es nicht ganz so schwer (andere Vorgeschichte). Aber auch bei ihm ist klar, dass der Weg anstrengender ist, als man im ersten Moment denkt. Er beschreibt das in seinem neuen, sehr lesenswerten Buch „Scary Close“.

Überlege ich allerdings, was die Alternativen für mich und meine Beziehungen (zu Gott und den Menschen) sind, dann bleibt doch einfach nur, sich langsam aber sicher auf den Weg zu mehr echter Authentizität zu bewegen.
Natürlich heißt das nicht, dass jeder Mensch auf der Welt alles über mich wissen muss. Aber mich wegen dieses anderen Extrems nicht auf den Weg zu machen ist auch keine Lösung.

 

Photo von J c auf Flickr.